Aus dem Antrag des DARC e.V. an die UNESCO zur Aufnahme der Morsetelegrafie
in die Liste des immateriellen Kulturerbes

"Die Morsetelegrafie (bzw. die Tätigkeit des Morsens) wird heute nur noch im Amateurfunk flächendeckend genutzt. Sie ist definiert durch die Übertragung elektronisch erzeugter Signale nach einem fest definierten Code, bestehend aus langen sowie kurzen Signalen und Pausen. Jeder lateinische Buchstabe sowie Ziffern und weitere Zeichen sind international als eine bestimmte Abfolge von Morsesignalen definiert. Der Buchstabe „A“ entspricht der Kombination eines kurzen und eines langen Signals: DitDah. Die Übertragung kann dabei per Funkwelle erfolgen oder per Kabel. Historisch bedingt, wird in einem Funkkontakt international die englische Sprache genutzt.
  
Die Entwicklung der Morsetelegrafie – sie war das erste System der elektrischen Telegrafie, das sich durchsetzen konnte – änderte grundlegend das Weltbild der Menschen: Basierend auf dem international gängigen Morsealphabet konnten mittels der Morsetelegrafie Informationen fast zeitgleich mit jedem anderen Ort auf der Erde ausgetauscht werden. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert hat die Morsetelegrafie als deren Teilbereich dafür gesorgt, dass die Welt „kleiner“ erschien und Distanzen leichter zu überbrücken waren.
Unser gesamtes Informationszeitalter wäre undenkbar ohne die Morsetelegrafie.
   
Viele Berufe (Telegrafisten in den Telegrafenämtern, bei der Bahn sowie Funkoffiziere im Flugfunk bis 1950, Schiffsfunk bis 1999 sowie als Fernmelde-Einheiten im Katastrophenfall) erforderten Kenntnisse der Morsetelegrafie. Parallel zur kommerziellen Nutzung, vor allem in der Schifffahrt, machten Funkamateure seit Anfang des 20. Jahrhunderts private Sendeversuche mit Morsetelegrafie und kommunizierten damit.
  
Nachdem Morsetelegrafie aus der beruflichen Sphäre weitgehend verschwunden ist, sind die Aktivitäten und die Experimente der Funkamateure die einzige Möglichkeit, Morsetelegrafie weiterhin zu erleben und unter Anleitung von erfahrenen Funkern selbst zu lernen. Im Amateurfunk werden Regeln und Sprachgebräuche aus der Morsetelegrafie tradiert, dort identifizieren sich die Menschen mit der Kunst der Morsetelegrafie und dort werden Funktion, Bedeutung und Verwendung der Morsetelegrafie für unsere heutige Zeit lebendig vermittelt.
  
Im Jahr 2005 ist die bis dahin verpflichtende Morseprüfung für die Zulassung zum Amateurfunkdienst vollends abgeschafft worden. Damit waren Funkamateure nicht mehr dazu verpflichtet, Morsen zu lernen. Der Zwang sich damit zu beschäftigen fiel weg. Eine große Anzahl der Funkamateure verfügt zwar weiterhin über die Kenntnisse der Morsetelegrafie – es ist aber zu beobachten, dass die Anzahl der freiwilligen Morse-Prüfungen abgenommen hat und es nun Aufgabe ist, neue Wege zu finden, das Kulturgut Morsetelegrafie zu bewahren, Menschen dafür zu begeistern und sie weiterhin lebendig zu halten“.

  
Quellen:
DARC-Info:    07.11.14
Info AGCW:   http://www.agcw.org/index.php/de/aktuelles/275-weltkulturerbe

CW-Tabelle:  http://dk9vz.com/index.php/telegrafie/morsecode      
Morsetasten: http://www.dl1hqe.de/cw/0_parade/2_parade_all.html

Übrigens: "Sternsingen" und "Schützenwesen" sind bereits immaterielles Kulturerbe der UNESCO.



Anmerkung:
Die Abschaffung der verpflichtenden Prüfung der Morsetelegrafie, als Voraussetzung für den Erwerb der Amateurfunkgenehmigung in DL, wurde damals durch Verantwortliche des DARC e.V. befürwortet und dessen Abschaffung vorangetrieben, obwohl eine Mitgliederbefragung für den Erhalt dieser Prüfung votiert hatte. Dieses Abstimmungsergebnis wurde bei der Zustimmung zur Empfehlung ITU-R M. 1544, nicht berücksichtigt!
Wenn die Morsetelegrafie, als "Sprache der Funker" bei der Mehrzahl der DL-Funkamateure keinen hohen Stellenwert mehr haben sollte, liegt es dann nicht nur an o.g. Gegebenheiten, sondern auch an Unwilligkeit, Bequemlichkeit oder gar Unfähigkeit von Funkamateuren den Morsecode erlernen, beherrschen und nutzen zu wollen?
Morsetelegrafie ist keine "Digitale Betriebsart" wie z.B. RTTY oder PSK.
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Es ist tatsächlich eine Kunstsprache, wie im Antrag treffend formuliert.

Darüber hinaus eine Fertigkeit, die konsequente Übung und Durchhaltevermögen im Lernprozess verlangt. Welcher auch mit Zeitaufwand und Meisterung physischer und psychischer Herausforderungen einhergeht.
Das Senden von Morsezeichen über Computerprogramme, besonders in den Contesten, ist eine Sache. ***   Aber ausschließliches Empfangen von Morsezeichen über einen CW-Decoder, darauf Antworten
mittels CW-Software über eine Tastatur,
dann das Versenden von Bestätigungen für dieses "CW-QSO", (sogar noch die dreiste Beantragung von Diplomen in der Betriebsart Telegrafie!) das ist Betrug!
meint DM2FDO